Galerie grounded
Uwe Kreißig
 

 
 

Hintergrund Kunstszene Chemnitz

Ideelle Anknüpfung für das Galeriekonzept bildet der Hintergrund der Kommune Chemnitz als eine deutsche Kunststadt, die ausweislich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts (Schmidt-Rottluff, Kirchner, Marianne Brandt, "Wunderkind" Lothar Günther Buchheim, Aufbau der großen Sammlung des deutschen Expressionimus in den Städtischen Kunstsammlungen unter der Direktorenschaft Friedrich Schreiber-Weigands) sowie zwischen 1975-1989 (nonkonformistische Szene in der DDR u. a. mit Carlfriedrich Claus, Michael Morgner, Klaus Hähner-Springmühl, Frank Raßbach) und der Nachfolgegeneration (darunter Jan Kummer, Carsten Nicolai, Olaf Nicolai, Olaf Rauh) eine gewisse Ausnahmestellung in Ostdeutschland einnahm.

Nach dieser relativ langen, zweiten Erfolgsperiode, die stark durch die Umstände der DDR-Kunstszene geprägt war, setzte ein allmählicher Verfall ein. Die neunziger Jahre erhielten vor Ort schließlich ihre Prägung von den quälenden Abrechnungen der älteren Generation untereinander und der fast vollständigen Abwanderung der Nachfolgegeneration, was eine qualitative Abnutzung der freien Szene zur Folge hatte. Die zwischenzeitlich dominierende Stellung in Sachsen und Thüringen ging nach der Wende bald wieder an Leipzig und Dresden über, pessimistische Tendenzen machten sich breit. Die Chemnitzer Künstlerszene ist heute weitesgehend zerstritten und in Lager aufgeteilt. Es fand und findet ein enormer Talenteverschleiß statt, dessen Folgen auf mitunter erschreckende Weise sichtbar sind. Anlaß zur Hoffnung sind eine Vielzahl von Kunststudenten, die us dem Chemnitzer Raum stammen, und eine freilich sehr überschaubare Ausstellungstätigkeit in bestimmten Lokationen vor Ort.

Zudem haben die Kunstsammlungen Chemnitz unter Ingrid Mössinger aus ihrem Schattendasein herausgefunden und sind heute das tonangebende Haus ihrer Art in Ostdeutschland (Ausstellungen seit 1996 u. a.: Anuszkiewicz, Baselitz, Claus, Cranach, Dibbets, LeWitt, Munch, Picasso, Rembrandt, Rickey, Toulouse-Lautrec). Inwieweit die Kunstsammlungen der Aufgabe einer ideellen Förderung der Kunstszene, insbesonderer jüngerer Künstler in der Stadt, gerecht wurden, ist inzwischen strittig. Mittel und Kapazitäten jeglicher Art sind zudem für die kommunale Übernahme der Sammlung Gunzenhauser gebunden, die in das gleichnamige Museum eingebracht werden soll. Dafür wird gegenwärtig ein ehemaliges Sparkassen-Gebäude, das im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet wurde, umgebaut.

Außer Frage steht, daß nur eine Korrespondenz zwischen einer lebensfähigen freien Szene und eines repräsentativen "Überbaus" für den behördlichen Plan einer Kulturstadt die Grundlage bilden kann. Dafür sind auch kommerzielle Galerien vonnöten, die aktiv eine jüngere Szene vertreten, die andernfalls ihren Arbeits- und Lebensort wie analog ihrer Vorgänger gezielt verlagert.

Medien (Ausw.)
Galerie grounded; Ein Rundgang an der Pleiße und an der Chemnitz, in: Freie Presse, Kultur, 06/05/05
Galerie grounded; Hendrik Pupat in: www.rundgang-kunst.de, 08/05/05

   
     
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