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Presseschau
www.focus.de und dpa
Kunstexpedition Radierungen in eisiger Höhe Konrad Henker ist ein
Künstler, der die Extreme sucht. Zehn Wochen hat er im vergangenen
Winter in den Alpen verbracht – abgeschnitten von der Außenwelt,
in einem selbst gebauten Iglu in 3000 Metern Höhe. Konrad Henker:
„Schwarzhorn""In dieser Einsamkeit ist konzentriertes Arbeiten möglich
wie nirgendwo sonst“, erklärt der 27-Jährige seine Passion. Mit
seinen Radierungen will er die Stimmung in den Bergen möglichst
authentisch einfangen. Dafür nimmt der 1979 in Weimar Geborene,
der an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste Malerei und Grafik
studierte, alle Strapazen in Kauf. Bei den Expeditionen zieht Henker
rund 300 Kilogramm Gepäck mit einem Schlitten bis zur Arbeitsstätte
auf Zeit. Von der Schneesäge zum Schneiden der Eisblöcke für sein
Iglu bis zum Weltempfänger und Benzinfeuerzeug hat er alles dabei.
Die Vorbereitung dieser Reisen dauert Wochen, vergessen darf er
nichts. „Schon eine Kleinigkeit wie etwa ein fehlendes Ersatzfeuerzeug
kann das ganze Unternehmen gefährden“, berichtet Henker. Nach drei
Wintern in den Bergen hat der junge Maler Erfahrung. Überlebenstricks
der Eskimos So hat er sich für seine Ateliers in klirrender Kälte
auch einige Überlebenstricks von den Eskimos abgeschaut: Flüssiges
Fett wird mit Trockenfrüchten, Trockenfleisch und Honig versetzt.
„Das ist haltbar und sorgt für Vitamine, die bei dauerhaften Außentemperaturen
von bis zu minus 20 Grad wichtig sind.“ Auch seine Behausung wird
von Jahr zu Jahr „luxuriöser“. Zuletzt wohnte er in einer wahren
Iglu-Suite mit Küchen-, Schlaf- und Toiletteniglu mit „Blick ins
Tal“ – allerdings bei Innentemperaturen um die null Grad. Von dieser
Basisstation klettert Henker dann, mit kiloschweren Zinkplatten
bepackt, auf Krater und Gipfel – immer auf der Suche nach dem schönsten
Motiv. Dick vermummt kniet er im Schnee und ritzt mit der Radiernadel
ein, was er sieht - wuchtige Bergmassive und schroffe Gebirgsketten.
„Die Arbeiten sind zunächst eine Art Blindenschrift“, beschreibt
er. „Man sieht nur Furchen und Linien“. Erst später, im Dresdner
Atelier, wird die Platte Schwarz eingefärbt und abgedruckt. Die
Auflage ist limitiert: Immer nur fünf Abzüge, mehr nicht. Schwarz-weiße
„Seelenlandschaften“ Das Kupferstich-Kabinett Dresden und das Chemnitzer
Museum für zeitgenössische Kunst besitzen mehrere seiner faszinierenden
Arbeiten. Seine neuen Kaltnadelradierungen sind von November an
in der Dresdner Galerie Beyer zu sehen. Zuvor im Oktober soll ein
Werkkatalog erscheinen. Die großformatigen Schwarz-Weiß-Radierungen
des Thüringers sind auf klare Linien reduziert, schroffe dunkle
Gipfel wechseln mit hellen Schneefeldern. Gesteine, Geologie und
die Entstehung der Berge spielen eine wichtige Rolle für Henker.
Seine Bilder sind aber nicht nur ein sachlicher Spiegel der Hochgebirgslandschaft,
sie zeigen auch die Suche nach künstlerischen Linien und Formen.
„Seelenlandschaften“ nennt der Schöpfer deshalb seine Werke. „Der
Schnee, der zum einen kalt und abweisend ist, zum anderen aber sinnliche
Formen aufbaut, birgt eine einzigartige Schönheit in sich.“ Die
Einsamkeit in den Bergen ist für Henker kein Problem, dem die künstlerische
Aufgabe Kraft gibt. So laufen schon die Vorbereitungen für die nächste
Reise: Dabei will Henker noch höher hinaus – in die Berge der Lofoten
nördlich vom Polarkreis. Seine Faszination der eisigen Bergwelt
will Henker dabei mit einem Publikum teilen: Erstmals soll eine
seiner künstlerischen Expeditionen gefilmt und zu einem Dokumentarfilm
verarbeitet werden.
cw/dpa (25/07/07)
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