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Presseschau
www.rundgang-kunst.de
"Ein Kunstzentrum, das in Deutschland seinesgleichen sucht"
Das neue
Galerienzentrum auf der Baumwollspinnerei zieht ein beachtliches
Presseecho nach sich Selbst eine gute Woche nach Eröffnung des neuen
Kunstzentrums auf dem Gelände der alten Baumwollspinnerei erscheinen
darüber noch Artikel. In der Welt am Sonntag vom 8. Mai 2005
wagt Christoph Keese die etwas kühne These: "Es gibt ihn doch, den
Aufschwung Ost". Die Argumentation des Wirtschaftsjournalisten (Financial
Times Deutschland) geht wie folgt: "Leipzig strahlt heller als
seine Größe vermuten läßt. BMW und Porsche bilden einen neuen Industriekern,
der Flughafen hat mit seinem Anspruch auf Größe wichtige Kunden
wie den Logistikkonzern DHL gewonnen... Während die Leipziger
Volkszeitung das Kunst(handel)event auf einer Sonderseite und
in Nachberichten überaus freundlich begleiteten, wurde auch
einige Kritik laut. Holger Liebs Artikel in der Süddeutschen
Zeitung ... trägt den Titel "VEB Ölexport"... Auch Andreas Platthaus
klingt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht wirklich
freundlich gesinnt, wenn er unter der Überschrift "Rückkehr der
Spinner" schreibt: "Zu Tausenden wälzen sich die Neugierigen über
das Kopfsteinpflaster, und auf Zehntausende sind etliche angebotene
Werke taxiert - heute gehört uns Leipzig und morgen die ganze Welt."
Ganz ähnlich hört sich auch der Chemnitzer Galerist Uwe Kreißig
(Galerie grounded) in der Freien Presse an: "Menschenmassen
schieben sich von einer Galerie zur nächsten, freiwillig und ungezwungen,
ausschließlich zu moderner Kunst, die auf den ersten Blick nicht
weltbewegender ist als anderswo, nur gesiegelt mit einem neuartigen
Warenzeichen – 'L'.
Im Kunststrom, der zwischen den alten Fabrikhallen fließt, bewegen
sich unzählige Leute, darunter ein gerüttelt Maß an gestylten Frauen,
bei denen man nicht genau weiß, ob sie modeln wollen oder vielleicht
Kunststudentinnen sind. Etliche Blauanzugträger, den oberen Hemdknopf
geöffnet, studieren in Begleitung ihrer Jil-Sander-Damen hektisch
und wissend die teure Ware. Entweder man kauft das, wo 'L' draufsteht
oder lässt es bleiben. Andere sitzen ganz locker auf einem Hallendach,
viele sind sehr jung, manche reden Englisch. Alles ist sehr hip.
Wir sind wohlgemerkt nicht in New York, London oder Berlin, wir
sind an der Pleiße, in Leipzig.
Unten gleitet Herr Tiefensee so inkognito durch die Meute, das ihn
jeder erkennt. Diese blöde Olympia-Pleite, was soll’s – in Leipzig
erfindet man sich immer wieder neu." Kreißig glaubt, dass es heute
nicht mehr reiche, Künstler zu sein, man müsse dazu gemacht werden,
Gerd Harry Lybkes Erfolgsrezept. Der Blick aus Chemnitz auf Leipzig
fällt aber all zu rosig aus: "Die Leipziger stellten ihre heute
bekannten Leute an attraktiven Lokationen lange selbst aus, förderten
sie, gewährten Kunstpreise, schufen ein Umfeld. [...] Glamour und
Geschäfte. Förderung, Präsenz und auswärtige Gäste. So lauten die
Formeln an der Pleiße."
... Daran nutzt Kreißigs abschließende Mahnung nichts: "Es ist [...]
ein Irrtum zu glauben, Hochkunst funktioniere ohne eine vitale,
unvergreiste Szene drumherum. Denn diese sorgt für das Publikum
von morgen."
Der "Hot Spot" Baumwollspinnerei ist ganz ohne städtische Förderung
entstanden – es sei denn, man ist so zynisch, die wirtschaftliche
Misere als städtische Förderung zu bezeichnen, weil sie dafür sorgt,
dass Industrieareale brachliegen und von Szenen besetzt werden können.
Hendrik
Pupat , in: www.rundgang-kunst.de
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